Nachrichten

Brexit bereitet der Region Sorgen – Seevetal

By 8. Februar 2019 No Comments

 

Mehr als 140 Unternehmen in den Landkreisen Harburg und Stade müssen mit erschwerten Handelsbeziehungen mit Großbritannien rechnen

(ts). Der drohende ungeregelte Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU), der sogenannte Brexit, wird direkte Folgen für zahlreiche Unternehmen aus der Region haben: Die Kosten für die Zollabwicklung werden voraussichtlich um etwa zehn Prozent des Warenwerts steigen, sagt Hubert Bühne, Außenhandelsexperte bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade.
Bei einem ungeregelten Brexit rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) allein für deutsche Firmen mit bis zu 10 Millionen zusätzlichen Zollanmeldungen pro Jahr und mehr als 200 Millionen Euro an neuen Kosten nur dafür.
Zudem werden Verzögerungen im Warenverkehr im Zuge der Zollabfertigungen die Handelsbeziehungen mit Großbritannien erschweren. Das größte Problem werde am Ärmelkanal entstehen: „Das kann man sich vorstellen wie eine achtspurige Autobahn, keiner weiß, ob durch die Zollformalitäten die Zahl der Spuren auf sechs, vier, zwei oder nur eine Fahrbahn begrenzt wird“, sagt Hubert Bühne.
Kleine und mittlere Unternehmen, die bisher nur im EU-Binnenmarkt tätig sind, werden sich Sachverstand über Zollabwicklungen mit Nicht-EU-Staaten aufbauen müssen. „Sie werden Mitarbeiter in Sachen Zoll schulen oder einstellen“, sagt Lars Heidemann, Berater der Außenwirtschaftsförderung an der IHK Lüneburg-Wolfsburg.
Etwa 320 Unternehmen in den Kammerbezirken Stade und Lüneburg-Wolfsburg sind von einem ungeregelten Brexit betroffen, davon rund 90 im Landkreis Stade und mindestens 50 im Landkreis Harburg.
Eine wichtige Rolle spielt der britische Markt für den Spezialfahrzeughersteller Feldbinder (mehr als 950 Mitarbeiter) mit Stammwerk in Winsen (Landkreis Harburg). Mit einem Jahresumsatz von rund 18 Millionen Euro war Großbritannien im vergangenen Jahr stärkster Auslandsmarkt.
Feldbinder sei auf einen ungeregelten EU-Austritts Großbritanniens vorbereitet, heißt es auf WOCHENBLATT-Anfrage. Das Unternehmen stehe im laufenden Kontakt mit seinen Kunden und stimme sich mit ihnen im Hinblick auf die sich täglich verändernde Situation ab.
Der Brexit gefährde keine Arbeitsplätze bei Feldbinder: Fahrzeuge, die für den britischen Markt bestimmt seien, würden gebaut und ausgeliefert werden. „Der Auftragseingang aus Großbritannien ist ungebrochen hoch“, teilte Feldbinder dem WOCHENBLATT mit.
Gummiwaren, Mess- und Prüfgeräte, Verpackungen, Gemüse , Obst oder auch Berufsbekleidung sind Produkte, mit denen Unternehmen aus dem Landkreis Harburg auf dem britischen Markt handeln.
Der europäische Flugzeugbauer Airbus, der in Werken in Stade und Buxtehude produziert, droht mit einem Rückzug aus Großbritannien. Der Flugzeugkonzern beschäftigt auf der Insel 14.000 Mitarbeiter. Bei einem ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens muss Airbus um seine Lieferketten fürchten. Das Unternehmen bezieht mehr als 10.000 Flugzeugteile aus dem Vereinigten Königreich. Sobald einem Bauteil die Zertifizierung der Flugsicherheitsagentur EASA fehlt, müsse die Produktion gestoppt werden, warnte Konzernchef Tom Enders. Das berichteten mehrere Medien.
„Die Ablehnung des Austrittsabkommens ist ein schwerer Schlag für unsere niedersächsischen Unternehmen“, sagt Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Für Unternehmen, ihre Investitionen, ihre Geschäftsplanungen und ihre Arbeitsplätze sei kaum etwas so schädlich wie Unsicherheit über die zukünftigen Verhältnisse.
Großbritannien wird am 29. März nach bisherigen Planungen die EU verlassen – und ein Abkommen mit Brüssel für die Beziehungen danach gibt es immer noch nicht.